Mittwoch, 15. April 2020

Washington D.C.

Die nächste Station hieß Washington D.C., die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika. Um dorthin zu gelangen, entschied ich mich für einen weiteren Inlandsflug. Nach der Ankunft traf ich mich zunächst mit Susan am Dupont Circle zum Mittag. Wir hatten uns in Orlando kennen gelernt und waren - da geteiltes Leid nur halbes Leid ist - einen Abend gemeinsam aus dem ekeligen Hostel geflüchtet, um zusammen essen zu gehen. Anschließend besichtigte ich den Arlington Cemetery sowie das Pentagon mit dem dazugehörigen Pentagon Memorial.

In meinen Notizen, welche mir bei der nachträglichen Erstellung der Berichte eine große Hilfe sind, habe ich außerdem folgenden kuriosen Eintrag vermerkt: "Asiate hilft mir bei Kauf Metrokarte." Manchmal wundere ich mich ehrlich über mich selbst, was ich mir da so aufgeschrieben und ganz offenbar als festhaltenswert eingestuft habe. Ich muss leider gestehen, dass ich mich weder an den offenbar komplizierten Erwerb der Fahrkarte noch an die freundliche Begegnung mit meinem Helfer erinnern kann und das Erlebnis demnach wohl keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Andererseits bin ich durchaus positiv überrascht, an wie viele Sachen ich mich doch noch erinnern kann. Vieles ist allerdings tatsächlich auch erst beim Schreiben wieder hervorgekommen.

Pentagon Memorial

Arlington Cemetery

Grab von John F. Kennedy

Blick auf die National Mall

Pentagon

Die Tage in Washington waren in Summe sehr kulturell geprägt und wirklich interessant, auch wenn die amerikanische Kultur zugegebener Maßen natürlich nicht sehr alt ist. Das stört die Amerikaner aber bekanntlich wenig und der Nationalstolz ist in Washington besonders stark zu spüren. Ich verbrachte viel Zeit auf der sogenannten National Mall, welche sich zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial erstreckt. Sie wird zu beiden Seiten von einer ganzen Reihe an Museen gesäumt und grenzt u. a. an das Gelände des Weißen Hauses, dem Regierungssitz des US-amerikanischen Präsidenten. Fürs Erste besuchte ich u. a. die Library of Congress, das Air & Space Museum, das Natural History Museum, das Smithsonian Castle sowie das Washington Monument und das Lincoln Memorial.

Kapitol

Supreme Court

Library of Congress

Mondlandung

im Air & Space Museum

Am nächsten Tag standen das Korean War Memorial, das Martin Luther King Memorial sowie das Franklin D. Roosevelt Memorial und das Jefferson Memorial auf dem Programm. Außerdem stattete ich dem American History Museum und der Portrait Gallery einen Besuch ab. Auf einen Besuch im Kapitol verzichtete ich mehr oder weniger aus Trotz: Es war unglaublich heiß und schwül in der Stadt und ich hatte mir gerade eine neue Flasche Wasser gekauft, die sogar noch ungeöffnet war. Natürlich gelangte man ins Kapitol aber nur mit einem Sicherheitscheck und die Beamten verlangten von mir die Abgabe meiner Flasche, weil die Mitnahme von Flüssigkeiten verboten war. Das fand ich in dem Moment so unpassend, dass ich mich konsequenter Weise entschied dann eben nicht ins Kapitol zu gehen.

Den Abend verbrachte ich entspannt im Hostel und schaute zum ersten Mal seit Wochen wieder fern. Im Gemeinschaftsraum lief erst "Silver Linings" und danach die für mich erste Folge "Game of Thrones" überhaupt. Davon hatten immer alle geschwärmt, deshalb war ich ganz neugierig. Als aber einer der Charaktere getötet wurde, indem ihm ein anderer die Augen ausdrückte, beschloss ich die Serie blöd zu finden und habe sie auch seitdem nie wieder gesehen. Außerdem ließ mich einer der Hostelbewohner auf seinem Handy ein von ihm selbst programmiertes Spiel testen, bei dem man in einer bestimmten Reihenfolge über Felsen springen musste. Das machte ziemlich viel Spaß und war viel besser als Fernsehen.

Den gemischten Schlafsaal teilte ich mir zum ersten Mal mit 11 anderen Personen. Normalerweise hatte ich nur in Räumen für ca. 4-6 Personen übernachtet und war daher erst ein wenig skeptisch. Wie sich herausstellte, war die große Personenanzahl aber eher von Vorteil. Weil natürlich auch mehr Leute gestört werden konnten, ging es hier wesentlich rücksichtsvoller und ruhiger zu als ich das bisher gewohnt war. Allerdings hatte mich der übliche Hostellärm ohnehin nie besonders gestört, denn schon zu Beginn der Reise hatte ich mich schnell daran gewöhnt und deshalb trotzdem immer wie ein Baby geschlafen. Oft ging ich abends in einem sonst leeren Raum ins Bett und wachte morgens in einem vollen Schlafsaal auf ohne auch nur irgendetwas mitbekommen zu haben.

Kapitol bei Sonnenschein

Lincoln Memorial Reflecting Pool und Washington Monument

Abraham Lincoln

das Weiße Haus

General William Tecumseh Sherman Monument

Thomas Jefferson Memorial
Tags darauf traf ich mich erneut mit Susan und wir erkundeten gemeinsam die Stadtviertel Georgetown und Adams Morgan. Außerdem begann an diesem Tag die Fußball WM und wir wollten unbedingt das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien schauen. Dazu kehrten wir in eine gemütliche Bar namens "Black Squirrel" ein und ließen uns Bier und Cocktails schmecken.

Am nächsten Morgen wurde ich beim Check-out von Jake angesprochen, der mitbekam, dass ich aus Deutschland war. Es stellte sich heraus, dass er selbst ziemlich gut Deutsch sprach, denn er hatte während seines Studiums eine Zeit lang in Duisburg gelebt, welches er treffender Weise als "Scheißburg" bezeichnete. Wir machten uns gemeinsam auf die Suche nach einem Frühstück und er begleitete mich danach noch zur Busstation, wobei er freundlicherweise meinen Rucksack trug. Unterwegs kamen wir u. a. am Weißen Haus vorbei, woraufhin er folgenden Eintrag bei Facebook postete:

Jake's Facebook Eintrag

Dienstag, 14. April 2020

Miami

Die Weiterfahrt nach Miami sollte sich als Herausforderung gestalten und stand von Vornherein unter keinem guten Stern. Vielleicht lag es daran, dass ich den Anbieter gewechselt hatte und mich statt wie üblich für Greyhound ausnahmsweise für Megabus entschied - wer weiß. Während des Wartens auf den Bus an der Abfahrtstation in Orlando überraschte uns jedenfalls ein heftiger Regenguss, der so stark war, dass er meinen großen Rucksack durchnässte. Da konnte auch das Regencape nicht mehr viel ausrichten. 

In Miami angekommen, wollte ich mit einem Linienbus weiter bis zur Unterkunft fahren. Das waren immerhin einige Kilometer, denn der Megabus hielt in Downtown, während sich die Unterkunft in Miami Beach befand. Nachdem ich die richtige Bushaltestelle gefunden hatte, stand ich mir an selbiger aber vergeblich die Beine in den Bauch, da einfach kein Bus kommen wollte. Mangels Alternativen entschied ich mir daher für ein Taxi, auch wenn das im Budget nicht vorgesehen war. Der Fahrer wusste mit der Adresse jedoch nichts anzufangen und ließ mich deshalb nach wenigen Metern wieder aussteigen.

Schon leicht genervt orientierte ich mich zur nächstgelegenen Hauptverkehrsstraße und sprach dort hilfesuchend ein paar Passanten an. Sie erklärten mir, dass an diesem Abend ein Basketballspiel stattfand, das den öffentlichen Nahverkehr beeinflusste und daher nicht alle Verbindungen planmäßig bedient wurden. Sie empfahlen mir aber freundlicher Weise eine alternative Busroute und zeigten mir den dazugehörigen Stop. Tatsächlich war ich hier nach wenigen Minuten erfolgreich und konnte die Reise fortsetzen.

Da in den Bussen keine Stationen angezeigt werden, bat ich den Fahrer mir Bescheid zu geben, sobald wir meinen Halt erreicht haben. Doch natürlich hatte der Fahrer mein Anliegen schon nach wenigen Minuten wieder vergessen, sodass ich letztlich - nachdem wir zusätzlich noch eine Dreiviertelstunde im Stau standen - einige Stationen zu spät ausstieg und weitere 3 km zu Fuß zurücklegen musste. Natürlich immer schön bepackt mit beiden Rucksäcken, von denen der eine nach wie vor feucht war. Ausgehungert, völlig entnervt und erschöpft gelangte ich endlich ans Ziel und machte mich dort erst einmal schnellstmöglich auf die Suche nach etwas zu Essen.

Den darauffolgenden Tag nutze ich dann zunächst, um nach dem Ausschlafen ein bisschen South Beach zu erkunden und in der Lincoln Road shoppen zu gehen: Eine kurze Hose, Flip Flops und eine Sonnenbrille waren die Ausbeute - was man im "Sunshine State" eben so braucht.

Miami Beach

Rettungsschwimmer Turm

Strandaufgang

Ocean Drive

unter Palmen

Am nächsten Tag ging es in den Everglades National Park. Über das Hostel hatte ich eine Tour gebucht, die zudem eine Bootsfahrt mit einem der berühmten Propellerboote sowie eine kleine Alligator Show beinhaltete. Dort lernten wir mehr über das Leben der Alligatoren und sahen bei einer Fütterung zu. Darüber hinaus bekamen wie die einmalige Gelegenheit uns mit einem kleinen lebenden Exemplar auf dem Arm auf einem Bild verewigen zu lassen, worauf ich jedoch dankend verzichtete. 

Die anschließende Bootsfahrt war dann leider weniger spektakulär als ich es mir vorgestellt hatte und vor allem sehr laut, da die Propeller ordentlich Lärm verursachen. Aus diesem Grund bekam auch jeder von uns zu Beginn ein Paar Ohropax ausgehändigt. Trotzdem war es mal etwas anderes und wir haben sogar ein paar frei lebende Krokodile sehen können. Auf dem Rückweg begann es zu regnen, sodass der restliche Tag eher ruhig verlief.
  
Propellerboote

Everglades National Park

Krokodile


Alligator

Nach einem entspannten Tag am Strand folgte unmittelbar das nächste aufregende Abenteuer, denn erneut hattet ich eine Tour gebucht: Dieses Mal ging es nach Key West, eine Insel im Süden von Florida. Allein die Hinfahrt dauerte ca. 4 Stunden, führte aber u. a. über den spektakulären Overseas Highway, welcher die verschiedenen Inseln der Florida Keys miteinander verbindet und dabei über schier endlosen Brücken verläuft.

Neben einer kleinen Stadtbesichtigung stand vor allem etwas für mich ganz Neues auf dem Programm: Schnorcheln. Mit einem Ausflugsboot ging es hinaus aufs offene Meer zu einer Art Riff. Jeder von uns bekam eine Brille und einen Schnorchel und wer mochte auch eine Poolnudel. Ich nahm vorsichtshalber alle 3 Sachen und beobachte zunächst alle anderen, wie sie ins Wasser gingen. Ein paar sprangen vom Boot, andere - so wie ich dann auch - hockten sich auf den Rand und ließen sich sanft hineingleiten. 

Allerdings hatte ich den Wellengang unterschätzt und bekam, sobald ich im Wasser war, direkt eine kleine Panikattacke. Das hatte ich noch nie erlebt: Ich hatte Herzrasen und das Gefühl nicht atmen zu können. Also nahm ich erst einmal die Taucherbrille ab, setzte mich auf die Poolnudel und versuchte ruhig durchzuatmen. Das funktionierte zum Glück auch ganz gut und zeigte schnell Wirkung, sodass ich mich schon bald wieder beruhigt hatte.

Die Unterwasserwelt beeindruckte mich jedoch leider nicht so, wie ich es erwartet hatte. Außer ein paar farblosen Fischen und Korallen gab es nicht viel zu sehen. Das fand ich recht enttäuschend, aber vielleicht war es auch einfach nicht der beste Ort zum Schnorcheln. Einer der Teilnehmer fragte mich später, ob ich den kleinen Hai auch gesehen hätte und mit einer Mischung aus Entsetzen und Erleichterung verneinte ich. In Summe war das Alles auf jeden Fall ein bisschen zu aufregend für mich und ich war so erledigt, dass ich fast die gesamte Rückfahrt im Bus verschlief.

Key West

bereit für's Schnorchelabenteuer

auf offenem Meer

Land in Sicht

Leuchtturm

Die nächsten zwei Tage verbrachte ich mit weiteren Erkundungen in Miami Downtown, in Little Havanna und im Finanzviertel der Stadt. Außerdem schaute ich mir im Kino den neuesten "X-Men" an und besorgte mir in einer Buchhandlung den dritten Teil der Bestimmungs-Reihe, denn für die darauffolgenden Tage lautet der Eintrag in meinen Reisenotizen immer gleich: Strand. Dort Zeit zu verbringen - sei es mit baden, spazieren gehen oder einfach nur rumliegen und lesen - ist meiner Meinung nach eben auch mit das Beste, was man in Miami so machen kann - vor allem wenn das Meer nur knapp einen halben Kilometer von der Unterkunft entfernt ist. Und so schön das Reisen auch ist, so anstrengend ist es eben auch. Irgendwann möchten die vielen Eindrücke ja auch mal verarbeitet werden. Deshalb nutzte ich die nächsten Tage auch ganz bewusst zum Entspannen und Nichts tun.

Prompt erwischte mich eine kleine Erkältung, die ich mir wahrscheinlich aufgrund des stark klimatisierten Hostelzimmers eingefangen hatte. So eine verstopfte Nase und Halskratzen kommen bei über 30° C Außentemperatur, tropischem Klima und teilweise mehr als 12 Stunden Sonneneinstrahlung auf jeden Fall richtig gut. Ein Besuch in der nahegelegenen Apotheke, bei dem ich mich mit Hustensaft, Nasentropfen und weiteren kleinen Gesundmachern ausstattete, schaffte dem Ganzen aber schnell Abhilfe und nach ein paar Tagen war der Schnupfen auch schon wieder weg.

Welcome to Miami Beach!

Blick auf die Biscayne Bay

Miami Downtown

Sonnenuntergang

Am letzten Tag raffte ich mich dann doch noch einmal auf und unternahm eine "City & Boat Tour". Der erste Teil führte uns mit dem Bus in diverse Stadtviertel, wie z. B. Little Havana, das von zahlreichen kubanischen Immigranten bewohnt wird und wo wir aus diesem Grund klischeehaft einen Zigarrenladen besuchten. Darüber hinaus fuhren wir nach Coral Gables, einer kleinen Stadt südlich von Miami, und landeten schließlich wieder in Miami Downtown.

Von dort schloss sich eine Bootstour durch die Biscayne Bay und um die sogenannte Star Island an. Diese verdankt ihren Namen den vielen Villen, bei deren Besitzer und Bewohner es sich angeblich um namhafte Berühmtheiten handeln soll. Es ist allerdings auch bekannt, dass bei derartigen Touren aus Sensationshasche gerne mal ein paar haltlose Behauptungen aufgestellt werden. Letztlich war mir aber auch egal, wem welche Villa vielleicht gehört oder eben nicht gehört. Für mich war es interessant genug, sich diese teilweise sehr prachtvollen Bauten einfach mal "aus der Nähe" anzuschauen.

Little Havana

Zigarrenladen

Coral Gables Biltmore Hotel

Star Island



Orlando

Die Weiterfahrt nach Orlando lässt sich am besten wie folgt zusammenfassen: lang und günstig. Sie dauerte anstrengende 12 Stunden, kostete jedoch nur schlappe 20 USD. Das ist im Preis-Leistungs-Verhältnis nahezu unschlagbar. Unmittelbar getrübt wurde dieses Schnäppchen jedoch von der sich anschließenden Taxifahrt ins Hostel: Diese dauerte nur ca. 45 Minuten, kostete dafür aber stolze 70 USD. So läuft's eben manchmal.

Für mich gab es genau zwei Gründe nach Orlando zu fahren: SeaWorld zum einen und die Universal Studios in Kombination mit der Universal's Island of Adventure zum anderen. Beide Attraktionen sollten jeweils für sich ein außergewöhnliches Highlight werden, aber der Reihe nach:

Für den ersten Tag stand SeaWorld auf dem Programm und ich war tatsächlich ein bisschen aufgeregt. Schon seit meiner Kindheit bin ich ein riesiger Free Willy Fan. Lange zierten Poster von Orca Walen und Delfinen die Wände meines Kinderzimmers. Einen Orca Wal mal "live" zu sehen, das war bereits damals mein Traum, und an diesem Tag sollte er endlich in Erfüllung gehen.

Die weitläufige Anlage von SeaWorld ist grundsätzlich eine Mischung aus Vergnügungspark und Zoo. Die Fahrgeschäfte waren für mich allerdings uninteressant, da ich ihnen noch nie viel abgewinnen konnte, und so blieb mir umso mehr Zeit für die Tiere. Zu diesen gehörten u. a. Delfine, Belugawale, Walrosse und Pinguine. Natürlich wurden auch diverse Shows angeboten, von denen mir zwei besonders im Gedächtnis geblieben sind: Ein wirklich gut gemachter und inspirierender 360° 3D Film über das Leben einer Schildkröte sowie die liebevoll und sehr unterhaltsam gestaltete Aufführung der Seelöwen. Die Orca Show hingegen beeindruckte mich überraschender Weise wenig. 

Eingangsbereich SeaWorld

Delfin

Schildkröte

Delfin Show

Seelöwen Show

Orca Show

mein Mittagessen

Deutlich mehr faszinierte es mich da, einen der Orcas in einem separaten Bereich einfach nur beim Spielen zu beobachten. Im Becken war außerdem noch ein zweiter Orca, der anfangs schlief. Hierbei handelte es sich um Tilikum, einen der größten in Gefangenschaft lebenden Schwertwale (der mittlerweile allerdings verstorben ist). Als er schließlich aufwachte und mit seiner beeindruckenden Länge von ca. 7 m direkt an mir vorbeizog, fühlte ich mich ein bisschen wie Jesse, der zum ersten Mal Willy vorbei schwimmen sieht und dabei vor Staunen den Mund nicht zu bekommt.

Trotz aller Faszination, bleibt aber natürlich auch ein flaues Gefühl bezüglich des Wohls der Tiere zurück. Dass die Bassins für die Wale viel zu klein sind, ist offensichtlich. Das gilt im Grunde vermutlich für alle Bewohner von SeaWorld, wird aber gerade bei den Orcas besonders deutlich. Eine Grundsatzdiskussion darüber zu führen, ob Tiere überhaupt in irgendeiner Weise eingesperrt oder dressiert gehören, führt an dieser Stelle aber zu weit. Für mich geht es jedoch auch weniger um diesen Grundsatz an sich als vielmehr um die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden.

In dieser Hinsicht schlagen also definitiv zwei Herzen in meiner Brust und der ein oder andere mag es vielleicht scheinheilig finden, einerseits für Free Willy zu brennen und sich dann andererseits an den in Gefangenschaft lebenden Tieren zu erfreuen. Rückblickend kann ich jedoch nur sagen, dass ich oft an diese Begegnung zurückdenke und es für mich ein sehr besonderer und einzigartiger Tag gewesen ist.

Orca Wal beim Spielen

"Salanaa Eiyung Ayesis."

Orca

Tilikum

Der zweite Tag hatte einen völlig anderen Fokus, war aber mindestens genauso spannend und beeindruckend. Zuerst ging es in den Freizeitpark Universal's Island of Adventure. Hier befinden sich viele Attraktionen, die von bekannten Kinofilmen inspiriert wurden, wie z. B. Spiderman oder Harry Potter. Der Bereich zu letzterem war dann auch mein erster (und zugleich wichtigster) Anlaufpunkt.

Schon von der Ferne konnte man das Schloss Hogwarts sehen, welches über den schneebedeckten Dächern - was bei Temperaturen von über 30° C und strahlendem Sonnenschein leicht irritiert- von Hogsmeade aufragt. Im Dorf gab es allerlei Geschäfte, wie z. B. Zonkos Scherzartikelladen, eine Eulenpost und natürlich den Honigtopf, in dem es Bertie Botts Bohnen in verschiedenen Geschmacksrichtungen zu kaufen gab. Diese sind zwar - wie alles in den Studios - völlig überteuert, haben aber tatsächlich alle möglichen Geschmacksrichtungen: Ich schwöre, dass eine Bohne nach Erde geschmeckt hat, was ich aber immer noch besser fand als Ohrenschmalz ;) Im Wirtshaus "Drei Besen" probierte ich außerdem ein Butterbier: Eine braune Flüssigkeit mit Sprudel und einer Schaumkrone. Empfehlen kann ich es aber nicht, mir hat es jedenfalls nicht geschmeckt.

Hogsmeade

Hogwarts Express

Gepäck

Honigtopf

Bertie Botts Bohnen

Eulenpost

Butterbier

Auch sonst wurde viel geboten: Auf einer Bühne sangen abwechselnd der Schulchor oder tanzten die Mädchen der Beauxbatons Schule. Richtig toll gemacht war außerdem der Besuch im Zauberstabladen von Mr. Ollivander, der zwar streng genommen nicht nach Hogsmeade, sondern in die Winkelgasse gehört, aber da wollen wir mal nicht kleinlich sein. In einer kurzen Darbietung sucht sich der Zauberstab einen ausgewählten Zauberer aus und wenn dieser ihn Empfang nimmt, erscheint ähnlich wie im Film ein Licht und ein Wind braust auf. Da leuchten nicht nur die Augen der kleinen Kinder.   

Ein weiteres Spektakel war der sogenannte Harry Potter Simulation Ride. Während der Fahrt folgt man Harry auf einem Flug mit dem Besen über das Gelände von Hogwarts und begegnet dabei u. a. dem ungarischen Hornschwanz und Aragog. Für besondere Unterhaltung bei den Mitreisenden in meinem Abteil sorgte ich, als ich dem bedrohlich auf uns zukommenden Dementor lauthals "Expecto patronum" entgegenrief. Ein bisschen Spaß muss sein. Und weil das Ganze so klasse war, stellte ich mich direkt noch einmal für eine zweite Fahrt an.

Tanz der Mädchen aus der Baeuxbatons Schule

bei Ollivanders

Hogwarts

der sprechende Hut

Souvenirladen

Weitere Höhepunkte waren eine Live Show zum Film Sindbad, bei der beeindruckende Stunts vorgeführt wurden, eine Flussfahrt durch die Kulissen von Jurassic Park und besonders ein Spiderman 3D Ride, der unglaublich realistisch wirkte. Viele der Attraktionen waren natürlich mit Wartezeiten verbunden. Einen zeitlichen Vorteil verschaffte ich mir aber, in dem ich regelmäßig die sogenannten Single Rides nutzte. In dieser separaten Warteschlange verzichtet man auf das Privileg neben einem Wunschpartner zu sitzen, da man sich als Einzelperson einreiht und somit meistens als "Auffüller" fungiert, wenn irgendwo noch ein Platz frei ist. Da ich aber ohnehin allein unterwegs war, machte mir das nichts aus, und ich kam deutlich schneller voran.

Mühle

der Lorax

Sindbad Show

Jurassic Park

"People Dryer"

Zum Nachmittag ging es dann in die unmittelbar nebenan gelegenen Universal Studios, wo ebenfalls einige tolle Sachen auf mich warteten: Angefangen von einem 4D Film mit Shrek, bei dem man die Spinnen förmlich an den Beinen hat hochkrabbeln spüren, über lebensgroße Simpsons- und Disneyfiguren, bis hin zu einer Terminator Live Show und vielem mehr. Darüber hinaus konnte man einen Transformers 3D Ride sowie einen "Disaster Ride" miterleben, bei dem ein Erdbeben in einer U-Bahn simuliert wird. Etwas ruhiger ging es da zur Abwechslung in den vergleichsweise einfach und alt wirkenden Kulissen von E.T. zu, wo man auf einem "fliegenden Fahrrad" seicht an eine unechten Mond vorbeischwebt.

Chief Wiggum

Milhouse

Ärger für Bart

Universal Globe

Schnappschuss auf dem Weg zurück ins Hostel

Nach zwei solch aufregenden und ereignisreichen Tagen, brauchte ich erst einmal eine kleine Verschnaufpause und lies es daher am Folgetag gemütlich angehen. Dennoch versuchte ich so wenig wie möglich Zeit im Inneren des Hostels zu verbringen, denn es war leider das mit Abstand ekeligste, in dem ich auf dieser Reise übernachten sollte. Überall war es staubig und es gab Dreck an Stellen, an denen keiner hingehörte. Manchmal bin ich tatsächlich ganz dankbar, ohne Brille nicht so viel erkennen zu können, getreu dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. In Summe muss ich allerdings sagen, dass ich fast immer gut untergekommen bin und glücklicherweise nicht ein einziges Mal mit unangenehmen Problemen wie Bettwanzen, Fußpilz und derlei konfrontiert wurde.