Montag, 12. Mai 2014

Las Vegas – Salt Lake City – Moab

Als nächste Station stand Las Vegas, Nevada auf dem Programm. Der Greyhound Bus verlies Flagstaff pünktlich um 14:30 Uhr, geplante Ankunftszeit in Las Vegas war 20:30 Uhr. Nach eineinhalb Stunden Fahrt hieß es dann plötzlich, dass der Bus kaputt ist und wir umdrehen müssen. Gegen 17:30 Uhr war ich also wieder zurück in Flagstaff. Laut Auskunft des Busfahrers sollte um 20:00 Uhr ein Ersatzbus bereit stehen. Dieser musste aber extra erst aus Phoenix angefahren kommen. Um 20:00 Uhr hieß es dann, dass der Ersatzbus um 21:30 Uhr kommt. Es wurde gratis Pizza für alle bestellt (eine davon hat sich ein Fahrgast einverleibt, der gar nicht zu unserem verunglückten Bus gehörte, sondern nur die Gunst der Stunde nutzte), Kaffee stand zur freien Verfügung und zu unserem Zeitvertreib wurde der Film „Spaceballs“ gezeigt – immerhin. Um 23:00 Uhr kam dann endlich der Ersatzbus und nach einer schlaflosen Nacht war ich schließlich um 4:30 Uhr morgens in Las Vegas. Dummerweise war ein Check-in im Hostel aber erst ab 08:00 Uhr möglich. Also verbrachte ich weitere dreieinhalb Stunden an einer der trostlosen Greyhound Busstationen und schaute eine Folge Tatort (WiFi und ARD Mediathek machen es möglich), bis ich letztlich kurz nach 08:00 Uhr erschöpft den Schlüssel zu meinem Schlafsaal in den Händen hielt. Dort habe ich mich dann auch erst einmal hingelegt und ein paar Stunden geschlafen.

So eine desaströse Busfahrt schweißt natürlich zusammen und man kommt automatisch mit seinen Leidensgenossen ins Gespräch. So traf ich Yazi, einen aus der Nähe von Page stammenden US-Amerikaner mit indianischen Wurzeln. Wir hatten uns die ganze Zeit über gut unterhalten und am Ende unsere Handynummern ausgetauscht. Nachdem wir uns also beide eine Mütze voll Schlaf geholt hatten, verabredeten wir uns für ein gemeinsames Mittagessen und liefen zusammen einmal den gesamten Strip entlang. Da Yazi in Las Vegas wohnt und arbeitet, kannte er sich gut aus und konnte mir nicht nur ein paar versteckte Ecken zeigen, sondern auch ein wenig Hintergrundinformationen zur Verfügung stellen.

Bevor ich meine Reise antrat, hatte ich allen erzählt, dass ich in Las Vegas möglicherweise gar nicht Halt machen würde und wenn, dann vermutlich nur ganz kurz, weil es ja außer dem Strip eh nichts zu sehen gäbe und dieser vermutlich auch nur bei Nacht interessant wäre. Ganz Unrecht hatte ich damit zwar nicht, aber ich hatte doch die erstaunlich angenehme Atmosphäre unterschätzt, die dieser Ort verbreitet. Da Las Vegas in der Wüste liegt, war es dort sommerlich warm und der Strip hat einfach Flair: Überall läuft Musik, die Menschen sind gut gelaunt und wenn man die Straße entlangläuft, unternimmt man eine unglaubliche Städtereise von Venedig über Rom und Paris bis hin nach New York. Es ist ein Ort des Entertainments und die Unterhaltung war für mich eine willkommene Abwechslung. Bei Tag ist es sogar fast noch schöner als bei Nacht, weil der Boulevard dann nicht so extrem überfüllt ist. So genoss ich zwei Tage lang die herrliche Sonne, das rege Treiben der Stadt, die Wasserspiele vorm Bellagio und vor allem die nette Gesellschaft von Yazi.

Willkommen!

Stratosphere - das höchste Gebäude

Paris

New York

Wasserspiel zu Musik vorm Bellagio

die neueste Attraktion  - der high roller

Bevor ich nach Las Vegas kam, hatte ich in Flagstaff noch Leonie aus Belgien kennen gelernt. Wir waren uns von Beginn an sympathisch gewesen und  hatten einige Gemeinsamkeiten: Wir hatten beide unsere Jobs gekündigt, reisten für drei Monate durch die USA und hatten zumindest für die ersten Wochen fast die identische Route geplant. Ihre nächsten Stationen sollten nördlich des Grand Canyon u. a. Moab (Ausgangspunkt für Ausflüge in den Arches Nationalpark und Canyonlands Nationalpark), Bryce Canyon Nationalpark und Zion Nationalpark sein: Alles Orte, die ich gern sehen wollte, ohne Auto aber nicht erreichen konnte. Ich fragte Leonie also, ob ich sie ein Stück auf ihrer Reise begleiten dürfe und sie behauptete, sich über meine Gesellschaft zu freuen. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt (es war mein vorletzter Tag in Flagstaff) bereits die Busfahrt und das Hostel für Las Vegas gebucht. Monument Valley, ihren nächsten Aufenthaltspunkt, hatte ich zudem schon gesehen. So beschlossen vorerst getrennte Wege zu gehen und uns fünf Tage später in Moab, Utah wieder zu treffen.

Meine nächste Herausforderung lautete also „Finde einen Weg von Las Vegas nach Moab“ und das war gar nicht so leicht wie es zunächst klang. Meine Recherche ergab, dass es weder eine öffentliche Bus-  noch Zugverbindung gab. Man konnte für 600 USD eine Art private Taxifahrt buchen, aber das war keine Option. Was also tun? Na klar – fliegen. Denn in den USA gibt es einfach überall, selbst im letzten Kaff irgendwo im Nirgendwo, einen Flughafen – sogar in der 5.000-Einwohner-Stadt Moab, quod erat demonstrantum. Blöd nur, dass der Flug 300 EUR kosten und noch dazu einen Zwischenstopp in Salt Lake City haben sollte. Also auch keine Option, aber Moment: Zwischenstopp in Salt Lake City? Mal schauen was der Flug von Salt Lake City nach Moab kostet. Aha, auch nicht gerade günstig, aber erschwinglich. Und wie komme ich nach Salt Lake City? Acht Stunden Busfahrt zum fairen Preis, das würde doch gehen. Ist zwar nicht gerade der direkteste Weg, aber das macht ja nichts. Nur was sagt eigentlich der Reiseführer dazu? Salt Lake City ist definitiv einen Aufenthalt wert! Na dann, nichts wie los. Zehn Minuten später war alles gebucht.

So machte ich mich mit dem Bus auf nach Salt Lake City. Während der Fahrt wechselte ich zum ersten Mal in meinem Leben auf dem Landweg die Zeitzone, indem ich die Grenze zwischen den Bundesstaaten Nevada und Utah passierte. Leider regnete es bereits bei meiner Ankunft und hörte auch die ganzen eineinhalb Tage, die ich zur Verfügung hatte, nicht so richtig auf. So kam es, dass ich von der Stadt selbst gar nicht allzu viel gesehen habe (außer einer Vielzahl an Kirchen - Salt Lake City wurde von Mormonen gegründet und ist auch heute noch ein Zentrum für diese). Das ist ein wenig schade, da ich davon überzeugt bin, dass Salt Lake City eine schöne Stadt mit einem netten Zentrum ist, aber es ist eben nicht zu ändern. Außerdem traf ich ein paar Tage später einen Dresdner (schön, ein wenig heimatlichen Dialekt zu hören), der in Salt Lake City wohnt und mir erzählte, dass es dort nur ca. 10 Tage im Jahr regnet. Ich versuche daher das Ganze positiv zu interpretieren: Mit dem Regen wurde mir sozusagen eine echte Seltenheit und somit eine besondere Attraktion der Stadt geboten. Die Wahrscheinlichkeit diese zu erleben beträgt nur 2,74 %, ich bin also ein wahrer Glückspilz!

Darüber hinaus hatte ich in Salt Lake City noch einen anderen Auftrag zu erfüllen: Für meine weitere Reise mit Leonie musste ich nämlich noch einen Schlafsack, eine Isomatte und ein wenig Campinggeschirr besorgen, denn es stand von Vornherein fest, dass wir in Bryce und Zion zelten würden. Der ideale Ort, um solche Dinge günstig – wenn auch nicht qualitativ hochwertig – zu besorgen, ist Walmart. Also suchte ich die nächstgelegene Niederlassung heraus und fuhr mit der Bahn dahin. Als ich dort ankam, musste ich feststellen, dass meine Aussage von eben einer Korrektur bedarf: Der ideale Ort, um irgendetwas – egal was – zu besorgen, ist Walmart. Hier gibt es einfach ALLES: Nicht nur Lebensmittel (natürlich alles im absoluten XXL-Format – ich frage mich ernsthaft was Singles einkaufen), sondern auch Kleidung, Schuhe, komplette Campingausrüstungen, DVD’s und Bücher, Küchengeschirr und was weiß ich nicht noch alles. Es ist wie Metro, MediaMarkt, SportCheck und Kik in einem. Nur noch größer. Wahnsinn! Ich musste an den Film „Wo dein Herz schlägt“ denken, in dem Natalie Portman eine Zeit lang im Walmart wohnt und dann dort an der Kasse ein Kind gebärt, und ich fand, sie war clever. Hier kann man wirklich gut wohnen, denn man findet alles, was man zum Leben braucht.


Salt-Lake-Tempel


einziger Farbtupfer - ein paar Tulpen am Wegesrand

Der anschließende Flug nach Moab war kurz, aber spektakulär. In einem Dreisitzer-Propellerflugzeug, das seine besten Jahre eigentlich schon hinter sich hatte, flogen wir über wunderschöne Landschaft und ich bekam auf diesem Wege sogar noch die Gelegenheit, den der Stadt ihren Namen verleihenden Salt Lake zu sehen.

das Flugzeug

Salt Lake City aus der Vogelperspektive

Salt Lake


Der Flughafen in Moab war mitten in der Prärie. Rundherum war meilenweit nichts, eine Busverbindung in die Stadt gab es nicht und es fuhr genau ein Taxi, das gerade vollbesetzt im Aufbruch war. Der Fahrer erklärte, dass er in ungefähr 45 Minuten wieder da sein würde und mich dann für 45 USD mitnehmen könne. Pff! Zum Glück war Leonie schon eher in der Stadt angekommen als erwartet und konnte mich so problemlos abholen.

Den ganzen Tag über hatte ich mich schon etwas unwohl gefühlt, so als wäre eine Erkältung im Anmarsch. Zum späten Nachmittag gesellten sich noch Magenkrämpfe dazu. Da schlafen immer die beste Medizin ist, ging ich früh zu Bett und hoffte, dass sich mein Magen schnell wieder beruhigen würde. Ich erinnerte mich außerdem daran, dass Luise und Flo mich vor der Reise gewarnt hatten, dass es immer gute, aber auch mal schlechte Tage geben würde. Dies war also ein schlechter Tag. Morgen kommt also sicher wieder ein guter. Der Gedanke tröstete mich ein wenig und tatsächlich: Am nächsten Tag war wieder alles gut. Vermutlich hatte ich nur etwas Falsches gegessen.

Ich war also rechtzeitig wieder fit, um mit Leonie den Arches Nationalpark zu besuchen. Dieser verdankt seinen Namen den vielen natürlichen Steinbögen, welche auch die Hauptattraktion des Nationalparks sind. Der bekannteste Steinbogen ist die Delicate Arch, welche auch gleichzeitig das Wahrzeichen Utahs und u. a. auf den Nummernschildern des Bundesstaates abgebildet ist.

Balanced Rock

North and South Window

Double Arch

Broken Arch

Skyline Arch

Delicate Arch

Delicate Arch aus anderer Perspektive

Der zweite Ausflug führte uns in den Canyonlands Nationalpark. Hier treffen sich der Colorado und der Green River und teilen den Park in drei Plateaus: Island in the Sky im Norden, The Needles im Südosten und The Maze im Westen. Der bekannteste Abschnitt ist die Island in the Sky, die wir auch besucht haben. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf den White Rim und die Flussläufe und man wird tatsächlich ein wenig an den Grand Canyon erinnert. Während dieser jedoch durch seine enorme Größe beeindruckte, fasziniert Canyonlands durch seine unglaubliche Weite.



Mesa Arch



Dienstag, 6. Mai 2014

Flagstaff

Nach gut zweieinhalb Wochen Großstadt, Küste und Meer zog es mich schließlich ins Landesinnere. Mit dem Greyhound Bus fuhr ich in knapp 12 Stunden über Phoenix nach Flagstaff, Arizona und sah beeindruckt zu, wie sich die Landschaft stetig veränderte: Von Palmen über zerklüftete Felsen über Sanddünen bis hin zu weiten, ausgetrockneten Feldern mit wenig Vegetation. In Flagstaff wollte ich erst einmal ein wenig zur Ruhe kommen, die ersten Eindrücke verarbeiten  und die Natur genießen. Denn Flagstaff ist nicht nur eine kleine Stadt, die ein wenig Wild West Charme verbreitet, sondern vor allem auch ein zentraler Punkt für Ausflüge in den Grand Canyon und weitere sehenswerte Nationalparks in der Umgebung.

Bevor ich mich jedoch dem „Studium der Schönheiten der Natur“ ;) widmen konnte, galt es noch eine Mission zu erfüllen: Kieferorthopäden finden und Retainer reparieren lassen. Ersteres war einfach. Es stellte sich allerdings heraus, dass der Orthopäde montags nicht im Hause ist und ich daher noch einen Tag länger warten musste. Hmpf! Aber egal, ein paar Kaugummis hatte ich noch.

Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit. Die Praxis erweckte sofort einen wohlhabenden und hochtechnologisierten Eindruck: Überall hingen Flachbildschirme, im Wartezimmer gab es eine Playstation und im Empfangsbereich lag ein Buch, in dem sich die beiden behandelnden Kieferorthopäden bildreich vorstellten. Im Behandlungszimmer reihten sich dann vier Zahnarztstühle aneinander und weitere Flachbildfernseher, die den Film Shrek zeigten.

Ich war noch nicht fertig mit Staunen, da war ich auch schon an der Reihe. Der Orthopäde stellte fest, dass sich der Retainer an insgesamt vier von fünf Zähnen gelöst hatte und es sich nicht lohnen würde, ihn wieder anzukleben. Stattdessen empfahl er mir, den Draht und die Klebereste zu entfernen und einen sogenannten Clear Retainer anzufertigen. Das ist eine Art durchsichtige Beißschiene, die man mindestens nachts tragen muss, damit sich die Zähne nicht verschieben. Dann sagte er, dass er für diese Behandlung normalerweise 300 USD berechnet. Mir wollten schon meine ungläubigen Äuglein aus dem Kopf kullern, da meinte er, dass er versteht, dass dies ja eine besondere und blöde Situation für mich ist, und dass er den Preis daher um die Hällte reduzieren würde. Das war zwar immer noch ein ziemlicher Batzen Geld, aber immerhin. Also gesagt, getan. Und weil hier alles ein bisschen extravaganter zu sein schien, durfte ich mir für die Masse, mit der der Abdruck der Zähne gemacht wird, sogar eine Geschmacksrichtung aussuchen (die Auswahl umfasste eine DIN A4 Seite). Alles in allem war es eine recht geschmeidige Lösung und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. An dem Tag war ich aber auch einfach nur froh, endlich das lose Ende nicht mehr im Mund zu haben.

Flagstaff selbst war sehr überschaubar, was ich nach den Großstädten aber als durchaus angenehm empfand. Das historische Zentrum hat man in ungefähr einer Stunde erkundet, touristische Sehenswürdigkeiten gibt es kaum. Als ich zum Sonntagabend um 21:30 Uhr auf der Suche nach einem Lokal war, um noch etwas zu Abend zu essen, wurde ich enttäuscht. Alles hatte bereits geschlossen. Auch das Klima war eine kleine Umstellung: Verwöhnt von der kalifornischen Sonne, überraschten mich der raue Wind und die kühlen Nächte zunächst. Dabei ist es kein Wunder: Flagstaff liegt auf über 2100 m Höhe und ist eine der höchsten Städte der Vereinigten Staaten. Am Ende gefiel es mir aber so gut, dass ich statt der ursprünglich geplanten vier Tage fast eineinhalb Wochen in Flagstaff verbrachte.

Flagstaff

Wie sich schnell herausstellte, war es ziemlich schwierig (und wenn, dann extrem kostspielig) ohne Auto Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen. Um den Grand Canyon zu sehen, schloss ich mich daher einer geführten Tour des Hostels an. Diese führte uns durch das Painted Desert zum Desert View Watchtower im südlichen Bereich, von wo aus man den ersten atemberaubenden Blick über den Grand Canyon hat, der einfach durch seine massive Erscheinung beeindruckt. Man kann nur ca. 10 % des Canyons mit einem Mal überblicken und allein dies ist schon spektakulär. Die extreme Größe dieses Naturwunders kann man sich in seiner Gesamtheit kaum vorstellen.

99 % der Besucher des Canyons bleiben oberhalb des Canyons und bestaunen die Weite. Nur wenige laufen auf einem der zahlreichen Wanderwege auch ein paar Meter in den Canyon hinein. Wir gingen immerhin ein paar Meilen den Kaibab Trail hinab zum sogenannten Ooh Aah Point und genossen die Aussicht. Viel Zeit blieb uns allerdings nicht, denn für den Weg, den man in 20 Minuten hinab geht, benötigt man ca. 60 Minuten wieder hinauf. Zum Abschluss des Tages legten wir noch den Trail of Time Rim Walk zurück und bestaunten schließlich das Farbenspiel der untergehenden Sonne.






Bevor ich diese Reise antrat, war meine größte Angst, sie allein zu unternehmen. Ich war unerfahren darin auf diese Weise zu reisen, ich war noch nie in diesem Land und ich bin fremden Menschen oder größeren Menschenmengen gegenüber, sagen wir, eher verschlossen. Und nun war ich darauf angewiesen jederzeit über meinen Schatten springen zu müssen, offen auf andere zuzugehen, das Gespräch zu suchen oder mich auf eines einzulassen – und dann auch noch auf Englisch. Aber wie so oft, sollte auch diese Angst völlig unbegründet bleiben. Hat man die Hürde einmal genommen, was letztlich gar nicht so schwer ist, dann bleibt man auch nicht lange allein. Ständig und überall kommt man mit Leuten ins Gespräch, sei es in der Bahn, beim Einkaufen oder natürlich vor allem im Hostel. Man unterhält sich mit Zimmergenossen, im Gemeinschaftsraum oder beim Frühstück. Die Gespräche sind oftmals mehr oder weniger dieselben: Wie heißt du, woher kommst du, wo bist du schon gewesen, was machst du heute etc.? Aber sie helfen einem auch schnell herauszufinden, wer einem sympathisch ist und wer nicht. Und dann tut man sich mit anderen zusammen, weil man eventuell dieselben Pläne hat oder weil man dann einfach welche zusammen schmiedet.

So traf ich z. B. beim Frühstück im Hostel auf Andreas. Wir unterhielten uns über unsere Pläne und entschlossen uns schließlich spontan gemeinsam ein Auto zu mieten und nach Sedona zu fahren. Dort parkte wir im Red Rock National Park und bahnten uns von da aus unseren Weg zum Cathedral Rock, den wir erklimmen wollten. Der Wanderweg führte uns über staubige Wege mitten durch die Prärie und endete nach einer gefühlten Ewigkeit irgendwo auf halbem Wege den Berg hinauf. Ab da war klettern angesagt.

Leider war es an diesem Tag unheimlich heiß und die Sonne brannte unentwegt vom Himmel herab – Schattenplätze waren Mangelware. Schon nach ein paar Metern Kletterei merkte ich, dass mir schwindelig wurde. Vor meinen Augen bildeten sich schwarze Punkte. Ich setzte mich, atmete tief durch und haderte mit mir, ob ich weiter gehen sollte oder nicht. Du musst es wenigstens versuchen, dachte ich mir, und kletterte weitere zwei Meter hinauf. Da begann ich aber schon wieder zu zittern und wusste, dass es vorbei war. Es nützte ja nichts und wir mussten schließlich auch noch den ganzen Weg wieder zurück zum Auto gehen. Also suchte ich mir einen schattigen Platz, machte Rast und wartete auf Andreas, der bis nach oben kletterte. Die Aussicht war auch hier wunderschön.

Um zum Parkplatz zurück zu kommen, mussten wir barfuß den Oak Creek River durchqueren. Dieser war milder als wir erwartet hatten und so gönnten wir uns an einer ruhigen Stelle kurzerhand ein kleines Bad. Das tat gut! Erfrischt setzen wir unseren Weg fort und schafften es letztlich pünktlich zum Sonnenuntergang wieder zum Auto. Zurück im Hostel fiel ich dann sofort erschöpft ins Bett und schlief wie ein Stein.
   
Cathedral Rock

Kletterei

Erfrischung

Andreas und ich

Cathedral Rock im Abendlicht

Ich kam außerdem mit meiner Zimmergenossin Amanda ins Gespräch und erzählte ihr, dass ich unbedingt das Monument Valley und den Antelope Canyon sehen wolle, ohne Auto aber nicht wüsste, wie ich diese erreichen könne. Wie es der Zufall so wollte, hatte Amanda auch Interesse daran diese Dinge zu sehen und noch dazu ein Auto, ein Zelt und keine Pläne für das kommende Wochenende. Also lieh ich mir im Outdoorladen um die Ecke für günstiges Geld Schlafsack und Isomatte und schon konnte es losgehen.

Auf dem Weg zum Monument Valley machten wir einen kurzen Zwischenstopp bei Sonic, um uns etwas zu essen zu bestellen. Das ist deshalb erwähnenswert, weil es einfach unfassbar ist, dass diese Dinge wirklich existieren, denn bestellen geht bei Sonic so: Man fährt mit dem Auto ähnlich wie bei einer Tankstelle an eine Station mit einer Tafel mit dem Menü und einer Gegensprechanlage. Dann gibt man seine Bestellung auf, ohne dass man das Auto verlassen muss. Erst einmal nicht so ungewöhnlich. Zwei Minuten später kommt jedoch eine Kellnerin auf Rollschuhen (!) mit dem Essen zum Auto gefahren, übergibt dieses, kassiert und fährt wieder nach drinnen zur nächsten Bestellung. Unglaublich!

Einmal im Monument Valley angekommen, fühlt man sich direkt in eine andere Zeit versetzt und es wird einem erst beim Anblick der berühmten „Mittens“ bewusst, wie sehr man dieses Bild automatisch mit dem Wilden Westen assoziiert. Es ist aber auch ein toller Anblick. Wirklich viel unternehmen kann man hier allerdings nicht. Es gibt genau zwei Dinge: 1. Den Wildcat Trail wandern und 2. Den 17-Mile-Drive fahren. Beides haben wir getan, wobei besonders der 17-Mile-Drive für viel Spaß sorgte, weil dieser über eine unwegsame und unbefestigte Straße führte. Möchte man sein Auto diesen Strapazen nicht aussetzen, kann man natürlich auch eine Tour für 85 USD mieten und man hat fast das Gefühl, die Straße sei absichtlich zu diesem Zweck in einem schlechten Zustand gehalten worden.

Ein kleiner Abstecher führte uns außerdem ins angrenzende Utah zum Mexican Hat, einer Felsformation, die einem Sombrero tragenden Mann ähnelt.

"Mittens"




Mexican Hat

Ausblick vom Campingplatz


Am zweiten Tag ging es dann früh raus und zum Lower Antelope Canyon. Wir waren ja einmal in der Umgebung, denn der Canyon ist vom Monument Valley „nur“ ca. zwei Stunden Autofahrt entfernt. Wer eine Zeit lang in den USA verbringt, der weiß, dass das in der Tat eine vergleichsweise kurze Entfernung ist. Der Canyon ist allerdings nicht frei begehbar, sondern kann nur mit einer geführten Gruppe betreten werden. Dies tut der Schönheit dieses einzigartigen Ortes aber keinen Abbruch. Jede Kurve, um die man geht, hält einen neuen faszinierenden Blick bereit. Die Farben der Felswände wirken auch in der Realität unnatürlich und künstlich.





Als krönenden Abschluss meines Aufenthalts in Flagstaff, erfüllte ich mir einen weiteren lang gehegten Traum: Ein 45minütiger Helikopterflug über den Grand Canyon. Mit dem Arizona Shuttle fuhr ich zum Flughafen, wo mir die nette Dame an der Rezeption beim Gewichtscheck erklärte, dass ich 10 Pfund weniger wiegen würde als  ich bei meiner Reservierung angegeben hatte. Die Zeit bis zum Start des Fluges verbrachte ich daher mit Grübeln über mein mysteriöses Abnehmen trotz (oder wegen?) des übermäßigen Konsums von Fast Food und Softdrinks.

Im Helikopter selbst fanden neben dem Piloten sieben weitere Personen Platz: Drei vorn und vier hinten. Die Verteilung erfolgte nach Körpergewicht und ich fand mich plötzlich in der glücklichen Position als Copilot wieder. So hatte ich nicht nur uneingeschränkten Ausblick auf die Instrumente, sondern auch den frontalen Blick durch die fast vollständig verglaste Frontscheibe. Dass ein Flug in einem Helikopter aber etwas anderes ist als in einem Flugzeug, wurde nach dem Start recht schnell klar. Windböen machen sich ziemlich unmittelbar bemerkbar, der Helikopter gleicht nahezu permanent Luftströmungen aus. Obwohl ich normalerweise weder mit Fliegen noch mit Höhe an sich Probleme habe, merkte ich bald, dass sich ein Gefühl des Unwohlseins in mir breit machte und ich war froh, nach dem Flug wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. So konnte ich den atemberaubenden Ausblick leider nicht in vollen Zügen genießen. Nichtsdestotrotz bin ich sehr glücklich, den Flug gemacht zu haben. Aber ich weiß nun auch, ich würde es nicht wieder tun ;)

Bereit?

Los geht's!



wieder am Boden